"Den Latin Lover auf der Straße vernaschen"
     
30.12..2001 Freie Presse (Stollberger Zeitung)
     
Jahnsdorf/Chemnitz    

 

"Trotz seines unverwechselbaren Designs hat der Smart so viele Gesichter wie die Menschen", wirbt der Hersteller des mittlerweile schon zum Kult avancierten Minigefährts. Dass man von 2,5 Metern tatsächlich mehr haben kann als von 5, beweist der Jahnsdorfer Ronny Hofmann.
Der 23-Jährige, der nach seiner Elektrikerlehre auf gastronomischen Pfaden wandelt, hatte eine nicht alltägliche Idee: Seinen Smart rüstete er kurzerhand zur Bar um, mit der er durch die Lande tourt. Jeder der eben mal Appetit auf einen City Drink hat, kann den "verrückten Barkeeper", als der er schon bekannt ist, kurzfristig unter der Service-Nummer "0700-Citydrinks" chartern. Weniger geübten Telekommunikationskunden sei erklärt, dass das kinderleicht ist; Nach der 0700 muss anstelle der Buchstaben die jeweilige Zahlentaste angetippt werden. Also statt dem "C" die Taste mit der Nummer 2 und so fort.
Ronny Hofmann tritt mit seiner kaum noch in Größe und Form zu unterbietenden Bar den unwiderbringlichen Beweis an, dass im Smart entgegen anders lautenden Behauptungen durchaus viel mehr als nur ein Kasten Bier transportiert werden kann. Damit aber nicht genug. So ist der ausgefallene Service seinen eigenen Recherchen zufolge in Deutschland sogar einmalig.

 

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Denn mit dem zugegeben originellen wie verrückten Einfall will er insbesondere Privatkunden ansprechen. Bei größeren Veranstaltungen wie etwa dem Stollberger Altstadtfest oder beim "Freie Presse" Fest in Chemnitz ist er schon mit seinem größeren Barmixer-Geschäft, einem Mercedes, mit von der Partie. Beim Smart aber ist alles ein wenig anders. So mixt Ronny Hofmann nicht etwa im Auto, sondern vor dem Mini und obendrein auch bei jedem Wetter direkt auf der Straße die leckeren Cocktails, oder richtet nach Wunsch auch edlere Sekt- und Champagnergetränke an. Feinschmecker können aus über 20 verschiedenen Sorten wählen. Selbst Schnittbrett und Eiskübel fehlen nicht.

Zum eigentlichen Mixen liegt die gesamte Garnitur , beginnend beim Shaker bis hin zum Strohhalm bereit. Kaum dass sich der Kunde versieht, schnellen die Flaschen in die Luft, die der Barkeeper sicher auffängt. Mit flinken Handgriffen und je nach Bedarf träufeln Spritzer von Ananassaft ins Glas, denen noch Tequila, Cachaca und Zitrone zugegeben werden. Mit Pepe vermischt und kräftig im Shaker geschüttelt, kann der süffige Latin Lover gleich auf der Straße vernascht werden.
Der umtriebige junge Mann hat in der Vergangenheit schon für so manchen eigenwilligen Gag gesorgt, aber das Geschäft mit der Smart Bar ist für ihn mehr als eine witzige Geschäftsidee, wenn sie auch aus einer Bierlaune heraus entstand. Ob er es wagen sollte, mit der Minibar vorerst in Chemnitz Karriere zu machen, entschied schließlich sein langjähriger Freund Ronny Schiwek. Auf dessen Meinung setzte der Jahnsdorfer nicht zum ersten Mal. Und die Eltern des 23-Jährigen sagen mit sichtlichem Wohlwollen: "Ronny hat schon früher hin und wieder mit seiner Vielseitigkeit überrascht." Ganz o.k. finden sie seinen neuesten Einfall, weil es dabei "auch um seinen eigenen Lebensunterhalt geht". Und den verdiente sich der junge Mann schon im Chemnitzer Stadtkeller, wo er eigenen Worten nach so gut wie eine Lehre als Barkeeper absolvierte. Den Shaker geschwungen hat er aber auch schon in einer Berliner Bar.